HELBRA/MZ. Simone
Zahn war die schnellste Rechnerin. Kaum hatten die Kampfrichter ihre
Täfelchen hochgehalten, eilte sie schon zu ihren Kameraden vom
Ziegelröder Spielmannszug, um zum 18. Landesmeistertitel zu gratulieren.
Und Matthias Gusenda muss es auch gleich gemerkt haben. Denn beim
Ausmarsch strahlte Ziegelrodes Stabführer über das ganze Gesicht.
Seit 1983 ist er bei den Ziegelrödern dabei.
"Ich habe als Beckenspieler angefangen und bin dann auch recht schnell
Stabführer beim Nachwuchs geworden und gleich im Anschluss bei den
Erwachsenen." Ob die Musiker auch ohne ihn zurechtkommen würden? "Bei so
einem Auftritt nicht", sagt er. Denn letztlich gebe er nicht nur das
Tempo vor, sondern auch die Zeichen, wann Instrumente hochzunehmen oder
abzulegen sind. Wie man Stabführer wird? "Der wird ausgeguckt",
beschreibt es Peter Ahlborn, der musikalische Leiter des 125 Jahre alten
Spielmannszuges. Keinesfalls sei es so, dass derjenige Stabführer
werde, dem vielleicht das Instrumentenspiel schwer falle. "Als
Stabführer musst du viel Rhythmusgefühl mitbringen", so Ahlborn.
Mittlerweile macht der 59-Jährige fünf Jahrzehnte Musik. Zuerst im
Helbraer Schulspielmannszug, nach dessen Auflösung 1966 beim Ziegelröder
Spielmannszug. Während seiner 18 Monate Grundwehrdienst musizierte er
beim Spielmannszug im Stabsmusikkorps der NVA in Berlin. Ob er vor so
einer Meisterschaft noch aufgeregt ist? "Nicht mehr so wie früher. Aber
zu Hause willst du dich natürlich nicht blamieren", sagt Ahlborn, der
sich im Verein, wie er sagt, "um die Alltäglichkeiten kümmert". Unter
anderem heißt das, in der Vorbereitung auf die Meisterschaft mit den
Musikern notengerechtes Spiel zu üben.
Denn beim Auftritt wird alles aus dem Gedächtnis
abgerufen. "Das ist wie ein Gedicht lernen", erklärt Ahlborn. Gut ein
Jahr dauerten die Vorbereitungen. "Aber so richtig scharf zur Sache
gegangen ist es bei uns ab Januar", sagt Stabführer Gusenda, dessen Frau
Nadja, Tochter Lisa (14) und Sohn Nils (8) ebenfalls im Spielmannszug
musizieren, Nils als Beckenspieler.
Während sich die Vorbereitungen der
Ziegelröder mit dem Titel bei den Erwachsenen und Platz drei beim
Nachwuchs also ausgezahlt haben, hatten sich die Hettstedt wohl mehr
ausgerechnet als Bronze bei den Großen und Platz vier beim Nachwuchs.
Vereinschef Klaus-Dieter Graul nahm es sportlich gelassen: "Wenn du zu
einer Meisterschaft antrittst, muss du auch immer damit rechen, dass du
nicht gewinnst. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle." Am Wetter
wollte er es aber nicht festmachen, denn schließlich hatten alle
Vereinsvorsitzenden dafür plädiert, im Freien zu spielen. Und das
Publikum hielt trotz Dauerregens durch.
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