Im Dauerregen zum 18. Landestitel


VON DETLEF LIEDMANN
Angeklopft: Die Schlagwerker vom Ziegelröder Spielmannszug gaben beim 18. Titelgewinn den Takt vor.
Landesmeister 2011
(FOTO: DETLEF LIEDMANN)
HELBRA/MZ. Simone Zahn war die schnellste Rechnerin. Kaum hatten die Kampfrichter ihre Täfelchen hochgehalten, eilte sie schon zu ihren Kameraden vom Ziegelröder Spielmannszug, um zum 18. Landesmeistertitel zu gratulieren. Und Matthias Gusenda muss es auch gleich gemerkt haben. Denn beim Ausmarsch strahlte Ziegelrodes Stabführer über das ganze Gesicht.
Seit 1983 ist er bei den Ziegelrödern dabei. "Ich habe als Beckenspieler angefangen und bin dann auch recht schnell Stabführer beim Nachwuchs geworden und gleich im Anschluss bei den Erwachsenen." Ob die Musiker auch ohne ihn zurechtkommen würden? "Bei so einem Auftritt nicht", sagt er. Denn letztlich gebe er nicht nur das Tempo vor, sondern auch die Zeichen, wann Instrumente hochzunehmen oder abzulegen sind. Wie man Stabführer wird? "Der wird ausgeguckt", beschreibt es Peter Ahlborn, der musikalische Leiter des 125 Jahre alten Spielmannszuges. Keinesfalls sei es so, dass derjenige Stabführer werde, dem vielleicht das Instrumentenspiel schwer falle. "Als Stabführer musst du viel Rhythmusgefühl mitbringen", so Ahlborn. Mittlerweile macht der 59-Jährige fünf Jahrzehnte Musik. Zuerst im Helbraer Schulspielmannszug, nach dessen Auflösung 1966 beim Ziegelröder Spielmannszug. Während seiner 18 Monate Grundwehrdienst musizierte er beim Spielmannszug im Stabsmusikkorps der NVA in Berlin. Ob er vor so einer Meisterschaft noch aufgeregt ist? "Nicht mehr so wie früher. Aber zu Hause willst du dich natürlich nicht blamieren", sagt Ahlborn, der sich im Verein, wie er sagt, "um die Alltäglichkeiten kümmert". Unter anderem heißt das, in der Vorbereitung auf die Meisterschaft mit den Musikern notengerechtes Spiel zu üben.
Denn beim Auftritt wird alles aus dem Gedächtnis abgerufen. "Das ist wie ein Gedicht lernen", erklärt Ahlborn. Gut ein Jahr dauerten die Vorbereitungen. "Aber so richtig scharf zur Sache gegangen ist es bei uns ab Januar", sagt Stabführer Gusenda, dessen Frau Nadja, Tochter Lisa (14) und Sohn Nils (8) ebenfalls im Spielmannszug musizieren, Nils als Beckenspieler.
Während sich die Vorbereitungen der Ziegelröder mit dem Titel bei den Erwachsenen und Platz drei beim Nachwuchs also ausgezahlt haben, hatten sich die Hettstedt wohl mehr ausgerechnet als Bronze bei den Großen und Platz vier beim Nachwuchs. Vereinschef Klaus-Dieter Graul nahm es sportlich gelassen: "Wenn du zu einer Meisterschaft antrittst, muss du auch immer damit rechen, dass du nicht gewinnst. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle." Am Wetter wollte er es aber nicht festmachen, denn schließlich hatten alle Vereinsvorsitzenden dafür plädiert, im Freien zu spielen. Und das Publikum hielt trotz Dauerregens durch.


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